Runder Tisch Flüchtlingsarbeit Aichtal 

Im ‚Runden Tisch Flüchtlingsarbeit Aichtal’ haben sich  Bürger und Bürgerinnen Aichtals zusammengefunden, um die Flüchtlinge in ihrer neuen Heimat zu unterstützen. Wir wollen sie als Menschen ernst nehmen und ihre Integration fördern. Ein besonderes Anliegen ist es, Kontakte zwischen ihnen und den Menschen in Aichtal aufzubauen. Daneben begleitet der ‚Runde Tisch’ sie in ihrem Alltag, beim Umgang mit den Ämtern­, in ihrem Asylverfahren und später bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Der ‚Runde Tisch’ hat sich 2011 gegründet, als die ersten Flüchtlinge (wieder) in die Unterkunft in die Nürtinger Str. 33 in Grötzingen kamen. Wir arbeiten ehrenamtlich und über alle Partei- und Religionsgrenzen hinweg. Organisatorisch ist der Runde Tisch Flüchtlingsarbeit Aichtal an die evangelische Kirchengemeinde Grötzingen angebunden.  

Im November 2016 wurde der Runde Tisch Flüchtlingsarbeit Aichtal mit dem Ehrenamtspreis "starke Helfer", eine Aktion der Nürtinger Zeitung in Zusammenarbeit mit der Stiftung der Kreisparkasse Esslingen-Nürtingen, und der Patenschaft von Herrn Ministerpräsident Kretschmann ausgezeichnet.



Text eines Asylsuchenden

Seit Oktober 2015 lebt Ibrahim in der Notunterkunft in den Stockwiesen. Aus seiner Heimat Irak musste er fliehen. Seine Gefühle fasst er in Worte:

Vergessene Sehnsucht

Vielleicht werde ich mein Leben hier neu beginnen

Aber das bedeutet, dass ich mein Land vergessen muss

Meine Heimat

Jeden Tag vermisse ich sie

Vielleicht jeden Moment

Manchmal versuche ich meine Heimat und meine Familie zu vergessen,

aber ich kann nicht

Wenn ich einige alte Leute sehe,

Glaube ich meine Eltern gesehen zu haben

Wenn ich einige junge Leute sehe

Sehe ich meine Geschwister

Hier gibt es viele nette Leute, die alles machen,

damit ich meine Probleme vergesse

Sie tun alles, damit wir vergessen,

Aber das ist sehr schwierig

Für einige Minuten können wir vergessen

Danach ist die Sehnsucht wieder zurück

Du kannst nie vergessen,

wenn du alles verloren hast.

Am Ende:

Alle Leute hier – ihr seid meine Familie

Danke von Herzen Deutschland…

(Ibrahim Taher, 25, Irak)

Nachrichten aus der Unterkunft

Juli 2018

Auflösung des Camps in den Stockwiesen, Verlegung der Geflüchteten in andere Unterkünfte im  Landkreis.


September 2017 

Im September 2017 leben noch ca 100 Männer in der Gemeinschaftsunterkunft. Immer noch sind 18 Nationen vertreten, in letzter Zeit kommen besonders viele der Geflüchteten aus Afrika.

Im Oktober sollen die Wohnkabinen so verändert werden, dass eine Zweierbelegung ermöglicht wird.


Oktober 2016

Wechsel in der Sozialbetreuung - ab Oktober geht die soziale Betreuung in der Unterkunft Stockwiesen in Aich von der AWO auf die Malteser über. Die SozialarbeiterInnen der AWO waren bisher die AnsprechpartnerInnen, an die sich die Flüchtlinge mit ihren Sorgen und Nöten wenden konnten. Im Sinne der Flüchtlinge ist dieser Wechsel kritisch zu betrachten, denn Kontinuität in der Sozialarbeit ist eine wichtige Voraussetzung, um Vertrauen zu bilden. Nun wird es darauf ankommen, den Übergang möglichst gut zu gestalten. Wir wünschen den neuen MitarbeiterInnen der Malteser, dass sie sich schnell in ihre neue Aufgabe einfinden, um zum Wohl der Flüchtlinge arbeiten zu können.


WLan in den Ehrenamtsräumen -ab Ende September werden 6 PCs in den oberen Ehrenamtsräumen bereitstehen, die Verbindung zum Internet haben. Die Flüchtlinge können die Geräte im Rahmen der Sprachkurse oder während der Öffnungszeiten des "Internetcafés" - freitags nachmittags -  zu Recherchezwecken oder Bewerbungen etc. nutzen.


Februar 2016

Es war Mitte Februar 2016 als endlich das langersehnte und  vom  Landratsamt zugesagte WLan ans Netz ging. Die Freude war zunächst riesengroß - allerdings folgte die Enttäuschung auf den Fuß. Denn die Leitung ist für 300 Menschen viel zu klein, eine zufriedenstellende Nutzung unmöglich.

Inzwischen hat das Landratsamt sein Versprechen, die großen Unterkünfte mit WLan auszustatten, wegen der hohen Kosten für eine ausreichend große Leitung leider zurückgenommen.


Seit Anfang Februar 2016 sind die Küchencontainer installiert und die Männer können sich nun selbständig versorgen. Die fünf Container und 2 innenliegende Küchen wurden jeweils bestimmten Nationalitäten zugewiesen. So weiß jeder, an welchem Herd er kochen kann und wer seine Küchenmitbenutzer sind. Und so das klappt bisher sehr gut - es herrscht eine fröhliche Kochstimmung und die Sauberkeit lässt nichts zu wünschen übrig. Die Männer sind glücklich, dass sie nun das Essen nach eigenem Geschmack zubereiten können. Ein "fliegender Händler" kommt regelmäßig vorbei - hier können sie auch Zutaten aus ihren Heimatländern einkaufen, damit es wieder schmeckt "wie daheim". Das trägt sehr zu einem Mehr an Wohlbefinden bei.   


Dezember 2015

Kurz vor Weihnachten wurden im Dezember 2015 eine Feuerschutzwand in der Mitte der Halle und die Trennboxen eingebaut. 4 Flüchtlinge teilen sich eine Box mit jeweils 2 Stockbetten und 4 Spinden. Nach dem Einbau von Türen ist jetzt ein Mindesmaß an Privatsphäre gegeben. 

 

 

   

 ... und zum Nachtisch eine Tafel Schokolade 

„Ein kleines Stückchen Süßes kann viel Bitteres verschwinden machen.“ Frei nach diesem Motto verteilten die ehrenamtlichen Helfer des Runden Tisches Flüchtlingsarbeit Aichtal am vergangenen Samstag eine ganze Ladung Süßes an jene, die in ihrem Leben schon so viel Bitteres auf sich nehmen mussten. Was Eindruck hinterließ, war die kleine Freude in den Augen oder ein kurzes dankbares Lächeln. Dass man diesen Menschen mit einem für uns vermeintlich normalem und immer verfügbarem Konsumgut ein klein wenig Abwechslung und Freude bescheren kann, zeigt einmal mehr wie wenig es eigentlich braucht um zu helfen. Möglich wurde diese Aktion durch die Alfred Ritter GmbH & Co. KG aus Waldenbuch, die 300 Tafeln ihrer süßen Versuchung spendeten.Der Runde Tisch Flüchtlingsarbeit Aichtal dankt der Firma Ritter Sport für diese freundliche Spende.

Jonas Ziervogel, 06.12.2015.    

 

Oktober 2015 

Seit Donnerstag, 15. Oktober ist eine ehemalige Fabrikhalle im Gewerbegebiet in Aich mit Flüchtlingen belegt. Zur Zeit sind 280 Menschen aus 21 Nationen hier untergebracht. Geplant ist die Belegung mit 300 Personen. Die Flüchtlinge kommen aus den verschiedensten Erstaufnahmeeirichtungen im Land zu uns, wie lange sie hier leben müssen, ist nicht zu sagen. Nach längstens 2 Jahren müssen Asylbewerber allerdings die Vorläufige Unterbringung verlassen und sich auf dem freien Wohnungsmarkt eine Unterkunft suchen. Gelingt dies  nicht, werden sie auf die Kommunen in die sogenannte Anschlussunterbringung verteilt.    

 

Nachdem die Menschen wegen Lieferschwierigkeiten der Betten zunächst auf Matratzen auf dem Boden schlafen mussten, sind inzwischen die Stockbetten und Spinde aufgebaut.

 

Mit Pappkartons und abgehängten Tüchern versuchen die Menschen, sich ein Minimum an Privatsphäre zu verschaffen. 

 

Die Unterstützung durch uns Ehrenamtliche ist sofort angelaufen - bei der Mithilfe in der Kleiderkammer, bei der Durchführung der amtlichen Anmeldung auf dem Rathaus, bei der Organisation der Passfotobeschaffung, bei der Begleitung zur Ärzten und Kliniken, mit Hilfen beim Formulare ausfüllen, Handys einrichten u.v.m.  

 

 

 

 

 

 

 

 

   

   

 

 

Erste Kontakte werden geknüpft und es gibt auch schon viel Spaß und freudige Momente.  

 

Begegnungen und Aktivitäten 

Treffpunkt Café in der Scheuer - ein voller Erfolg

 

 

Ausflug auf die Schwäbische Alb

 

Lauftreff 

 

Beim Boxtraining 

 

Spiel und Spaß beim Fußball 

 

 

 

Leserbrief vom 12. Oktober 2015 

300 Flüchtlinge in einer Fabrikhalle in Aich    

Zur Zeit suchen Tausende Menschen in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung. Wir müssen und wollen ihnen Zuflucht und eine neue Heimat geben. 

 

Schon von März 2011 bis Januar 2014 lebten 28 junge Männer in der Gemeinschaftsunterkunft in Aichtal. Menschen mit verschiedenem kulturellem Hintergrund wohnten in Grötzingen in der Nürtinger Straße 33, bis ein Brand das Haus unbewohnbar machte und die Flüchtlinge nach Sielmingen umziehen mussten.

 

Fast zwei Jahre vergingen ohne dass eine neue Unterkunft in Aichtal gefunden bzw. bereitgestellt wurde.Verschiedene Standorte in Aichtal waren vom LRA zwar geprüft worden, aber nichts konnte realisiert werden. Und das, obwohl die Erstaufnahmeeinrichtungen überfüllt sind und es an Plätzen zur vorläufigen Unterbringung fehlt. Wertvolle Zeit verstrich.


Nachdem im Sommer 2015 der Bau einer geplanten Unterkunft im Gewerbegebiet in Aich gescheitert war, da der Eigentümer das Grundstück überraschend anderweitig veräußert hatte, hat sich nun in direkter Nachbarschaft dazu ein neues Objekt gefunden: Eine ehemalige Fabrikhalle in den Stockwiesen wird ab Donnerstag, 15. Oktober 2015, zur "Heimat" für 300 Flüchtlinge. Die Menschen werden ein Dach über dem Kopf haben - aber auch nicht viel mehr. Privatsphäre gibt es in der Fabrikhalle keine, wie die Flüchtlinge in dem Riesenraum zur Ruhe kommen sollen, ist kaum vorstellbar. Da es keine Kochmöglichkeiten gibt, sollen die Menschen zunächst durch einen Cateringservice versorgt werden. Bleibt zu hoffen, dass rechtzeitig genügend Sanitärcontainer aufgestellt sind, um die notwendigsten hygienischen Voraussetzungen zu bieten.   

Wie sollen sich die Menschen unter solchen Bedingungen von den Strapazen der Flucht erholen, wie ihre Traumata verarbeiten können? Wie kann ein friedliches Miteinander so vieler Menschen auf engstem Raum gelingen? Wie kann gar eine Integration in unsere Stadt möglich werden?

Wir wissen, dass wir im Moment eine unglaubliche Fluchtwelle erleben und haben Verständnis dafür, dass dies die Verwaltung und uns alle vor große Probleme stellt. Wir sehen aber auch, dass der Politik hier Versäumnisse vorgeworfen werden müssen, da man jahrelang das Flüchtlingsproblem nicht richtig ins Auge gefasst und eben nicht vorausschauend gehandelt hat.  

 

Klar muss sein, dass eine Unterkunft in einer Fabrikhalle wie in den Stockwiesen  nur eine kurzfristige Notlösung sein darf. Wir appelieren an die Verantwortlichen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um möglichst schnell menschenwürdige Unterkünfte dezentral bereitstellen zu können. 


Und wir alle sind als Bürger gefordert, den Flüchtlingen den Weg in unsere Gemeinschaft zu ebnen. Gehen Sie mit Freundlichkeit und Toleranz auf die neuen Mitbürger zu, lassen Sie sich nicht von Vorurteilen oder einzelnen negativen Erfahrungen beherrschen
. Lernen Sie die Menschen kennen, erfahren sie etwas von deren Kultur und lassen Sie sie teilhaben an dem, wie wir leben und was uns wichtig ist. (Annette Thaler) 

 

    

 

 

Runder Tisch Flüchtlingsarbeit Aichtal 

nächste Sitzung 

am

Mittwoch, 9. Januar 2018, 

19.30 Uhr,   

evangelisches Gemeindehaus Grötzingen  

 

Herzliche Einladung an alle Interessierte!